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Aufgaben der TGA-Fachplanung

von | 9.10.2022

Werk- oder Dienstleistung?

Die HOAI ist reines Preisrecht – dieses Mantra lehren uns die Baurechtsprofis. Denn: wir TGA-Fachplaner schulden keine Dienstleistung, sondern den Werkerfolg. Also erst ein baubares Gebäudemodell, dass den Willen des Bauherren widerspiegelt. Und schließlich ein mangelfreies Bauwerk, für das wir sogar zusammen mit der ausführenden Firma haften. Und das alles im Kosten- und Terminrahmen.

Was müssen wir denn für den Werkerfolg tun?

Jetzt wird es widersprüchlich: Anlage 15 zu § 55 Absatz 3, § 56 Absatz 3 der HOAI 2013 (und 2021) stellt detaillierte Grundleistungen für den Fachplaner im Leistungsbild Technische Ausrüstung dar. Also streng genommen Aufgaben, die nach Ansicht der Verfasser für den Werkerfolg wesentlich sind. Sie wären allerdings auch geeignet, einen Dienstvertrag nach Aufwand zu begründen. Nach Studium diverser HOAI-Kommentare durch den Verfasser hat dieser kleinteilig Aufgaben und Dokumente abgeleitet, die nach Ansicht der Gelehrten in der jeweiligen Grundleistung zu erledigen bzw. zu erstellen sind.


HOAI 2013/2021: Grundleistungen und abzuleitende Aufgaben der Fachplanung Technischen Ausrüstung (Auszug Lph 1)

Bewertung der Aufgaben ist wesentlich!

Die Erstellung von kleinteiligen Aufgaben in jeder Leistungsphase (natürlich nur für den Werkerfolg!) ist Basis für ein besseres Projektmanagement. Dank HOAI, die eben doch mehr als reines Preisrecht ist. Aber es geht noch besser: der Honorarsachverständige Siemon hat die Teilleistungen der Leistungsphasen mit Leistungspunkten bewertet. Diese Teilleistungspunkte helfen, für jede Leistung und jedes Projekt einen Preis zu kalkulieren.


Bewertung der Grundleistungen (Quelle: Siemon Sachverständige), Auszug Lph 1 und 2

Diese Bewertung wird in der Praxis häufig wie folgt genutzt:

Unlautere Bauherren kürzen Honorar – Teilabnahme hilft!

Wir kommen zurück zum Widerspruch Werk- und Dienstvertrag: Obwohl die bewerteten Teilleistungen theoretisch irrelevant sind (wir Fachplaner schulden ja nur das Gebäudemodell und das mangelfreie Gebäude im Kostenrahmen) werden sie praktisch genutzt, um das Honorar nachträglich zu kürzen. Natürlich nicht von kooperativen Bauherren, sondern von solchen, die im Nachhinein das Honorar kürzen – weil Sie Leistungen nicht oder nicht mangelfrei erhalten hätten. Insbesondere unbeseitigte Mängel in den frühen Leistungsphasen können nach Abschluss der Baumaßnahme in Abzug gebracht werden. Also, liebe Fachplaner: immer auf den Werkvertrag pochen und im Ingenieurvertrag auf die Teilabnahme der Leistungsphasen 2 und 3 bestehen!

Effiziente TGA-Fachplaner berechnen Zeitbudgets für Teilleistungen

Wird die Teilleistungsbewertung hingegen durch effizienzbewusste Fachplanungsbüros weiter gesponnen, ergeben sich konkrete Aufgaben mit Honorar- und damit Zeitbudgets. Die an der TGA-Bar eingestellte Vorlage unterscheidet zwischen Aufgaben für Fachplaner (ING) und Technische Systemplaner (TSP). Insgesamt werden 152 Aufgaben über alle Leistungsphasen unterschieden, unabhängig von der konkreten Anlagengruppe.


Von der Grundleistung zur Aufgabe: Auszug aus Grundleistungskatalog nach Leistungstyp (Leist.) und Projektzielen (Bereich)

Welche Anteile hat wer am Projekterfolg?

Über diese 152 Aufgaben lassen sich jetzt verschiedene Auswertungen projektunabhängig erstellen:

Auswertung 1: Aufteilung nach Fach- und Systemplanern

Unterteilt man alle Aufgaben über alle Leistungsphasen nach Fachplanern (ING) und Technischen Systemplanern (TSP) und summiert die Leistungspunkte über diese beiden Disziplinen, ergibt sich ein erwartbares Bild: Fachplaner erbringen ca. 70% der gesamten Leistung, Systemplaner ca. 30%. Nimmt man die Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) aus, so reduziert sich der Anteil für die Fachplaner auf 35%. Grob ergibt sich also ein Drittelmix: die gesamte Planungsleistung (bis Lph 7) mit 64 Leistungspunkten entfällt fast gleichberechtigt auf Fach- und Systemplaner. In der Objektüberwachung wird das letzte Drittel durch Fachplaner oder Objektüberwacher erbracht.


Zeitaufwand Fach- und Systemplaner am gesamten TGA-Projekt

Eine weitere Unterteilung der Aufgaben von Fach- und Systemplanern nach Leistungsphasen ergibt ein differenzierteres Bild: Die Leistung der Systemplaner beschränkt sich mit 26,5% größtenteils auf die Leistungsphasen 3 (Entwurf) und 5 (Ausführungsplanung). Die Fachplaner hingegen sind über die ersten 7 Leistungsphasen recht gleichmäßig ausgelastet, während die Leistungsphase 8 (Objektüberwachung) wie beschrieben den Löwenanteil der Arbeit ausmacht.


Zeitaufwand Fach- und Systemplaner nach Leistungsphasen

Auswertung 3: Aufteilung nach Projektzielen

Sehr interessant ist auch die Auswertung nach den drei Projektzielen Termine, Kosten und Qualität: 84% des Aufwandes der TGA-Fachplanung drehen sich um eine maximale Planungs- und Ausführungsqualität. 15% der Aufwendung fließen in das Definieren und Verfolgen von Kosten. Nur 1% (!) der Leistungserbringung eines TGA-Fachplanenden dreht sich um das Projektziel “Termine”.


Zeitaufwand nach Projektzielen

Streng Vertraulich: Grundleistungskatalog analog HOAI

Was nehmen wir aus der Analyse der Aufgaben der TGA-Fachplanung mit? Es lassen sich aus Sicht des Autors drei wesentliche Erkenntnisse ableiten:

Extern: Werkleistung / Intern: Dienstleistung

Die HOAI sei “nur” Preisrecht ist eine gängige Meinung der Branche, welche die Ziele des TGA-Fachplaners stützt. Die Erbringung der Werkleistung (gute Planung, mangelfreie Ausführung) ist und bleibt der Fokus. Intern kann und muss das TGA-Fachplanungsbüro jedoch eine Dienstleistung mit mehrere Disziplinen (Fach- und Systemplanung) koordiniert erbringen und dafür auf Dienstvertrag “umschalten”. Diese Betrachtung sollte intern bleiben und damit unlauteren Bauherren Honorarkürzungen erschweren.

Wichtige Erkenntnisse für die Kapazitätsplanung

Aus der Betrachtung der Zeitaufwendungen für Fach- und Systemplaner ergibt sich ein interessantes Bild: Insbesondere Systemplaner werden fast ausschließlich in den Leistungsphasen 3 (Entwurf) und 5 (Ausführungsplanung) gebraucht. Eine Kapazitätsplanung, die intern und extern Projekte nach diesen Leistungsphasen fokussiert staffelt und nach außen vertritt kann sehr erfolgreich sein. Bei den Fachplanern ergibt sich das Bild einer gleichmäßigen Auslastung über die Leistungsphasen 1-7, die meist in ein anstrengendes Multiprojektmanagement führt. Hier bieten sich Methoden des agilen Projektmanagements an.

Terminziele (fast) irrelevant

Die Auswertung der Zeitaufwendungen nach Projektzielen lassen für das Ziel “Termine” nur wenig Zeit übrig. Dies widerspricht aus Sicht des Autors der gängigen Praxis, insbesondere in der Bauphase einen Großteil der Verantwortung für die Terminerreichung beim Fachplaner TGA zu platzieren. Das Formulieren von Abhilfeanordnungen und Verzugsanzeigen ist leider aufwändiges Tagesgeschäft. Mit Verweis auf die Leistungen nach HOAI kann hier vielleicht etwas Klarheit und Abstand geschaffen werden. Auch die sehr wichtige Planung der Planung oder die Mitarbeit an Vergabeterminplänen muss ins rechte Licht gerückt werden: TGA-Fachplaner werden zu84% für die Definition und Überwachung von Qualitäten honoriert. Kosten und Termine werden nachrangig vergütet. Ob das im Sinne des Bauprojektes ist liegt im Auge des Betrachters – die Schöpfer der HOAI haben es jedenfalls so vorgesehen.

<p>AUTOR:IN</p>Roman Fritsches-Baguhl

AUTOR:IN

Roman Fritsches-Baguhl

Roman Fritsches-Baguhl (Dipl.-Wirtsch.-Ing) ist Geschäftsführer der Averdung Ingenieure & Berater GmbH und dort seit 2009 mit der Energiewende beschäftigt. Der Energiebunker Hamburg-Wilhelmsburg geht auf seine “Kappe”, genau wie die Solarportfolios von Hamburg Energie, der BIM (Berlin) und weiterer Liegenschaftsbetreiber und Stadtwerke. Seit 2020 liegt ihm die Ressourcenwende am Herzen: Über das kreislaufgerechte Bauprojekt “Berufsschulcampus Uelzen” hat er umfangreiche Erfahrungen im kreislaufgerechten Planen gesammelt.

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