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BIM in der TGA: AIA und BAP in der Praxis (Teil 2)

von | 9.10.2022

BAP – der Weg ist das Ziel

Im vorherigen Beitrag wurde speziell auf die Funktion und Verwendung der AIA eingegangen und somit auf das Lastenheft für die digitalen Anforderungen eines Projekts. Darauf aufbauend beschreibt dieser Beitrag das Pflichtenheft zur Umsetzung dieser Anforderungen, den sogenannten BIM-Abwicklungsplan (BAP) (im Stufenplan lautete dieser noch BIM-Ausführungsplan). Dieser Beitrag nimmt entsprechend Bezug auf die Funktion und Verwendung eines BAPs und geht darüber hinaus auf wesentliche Punkte zur Erstellung dieses elementaren Dokuments ein.


Abbildung 1: Komplementärer Zusammenhang zwischen AIA und BAP.

Wie in der Abbildung dargestellt wird der BAP auf Grundlage des AIAs aufgebaut. Dieser muss dementsprechend vom Planungskonsortium projektspezifisch ausgearbeitet und gemeinsam mit dem Bauherren verabschiedet werden. Da BIM eine integrale Arbeitsmethode darstellt, welche nur mit digitalen Werkzeugen in die Realität umgesetzt werden kann, müssen die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Prozesse und den unterstützenden Technologien individuell für das Projekt untersucht, gemeinsam abgestimmt und dokumentiert werden. Der BAP beschreibt, wie der Projekterfolg gemeinschaftlich erreicht werden soll.

Aufbau und Inhalt des BAPs

Grundsätzlich geht es bei der BIM-Methode um Informationen, die mit Hilfe von Daten in den einzelnen Modellen generiert werden. Die folgenden Faktoren nehmen Einfluss auf die Daten und müssen gemeinsam untersucht werden:

  • Prozesse: Wie wird das Projekt integral umgesetzt?
  • Technologien: Mit welcher Software werden die Anforderungen wie erfüllt?
  • Menschen: Welche Rollen müssen von wem für im Projekt eingenommen werden?
  • Rahmenbedingungen: Welche Normen und Richtlinien, bzw. Vorgaben müssen beachtet werden und nehmen Einfluss auf den Projektverlauf?

Werden alle Einflussfaktoren für den gesamten Projektverlauf gemeinsam abgestimmt, steht dem Projekterfolg grundsätzlich nichts mehr im Wege.

VDI liefert Grundlagen für BAP

Dem ist sich ebenfalls der VDI (Verein Deutscher Ingenieure) bewusst und hat demenentsprechend den BAP in der Richtlinie VDI 2552-10 wie folgt gegliedert:

  1. Einleitung
  2. Projektspezifische Einleitung
  3. Projektziele
  4. Rollen und Verantwortlichkeiten
  5. Prozesse
  6. Technologie
  7. Daten- und Informationslieferung

Die Einflussfaktoren werden in den einzelnen Kapiteln behandelt, damit das Projekt entsprechend bearbeitet werden kann und die Informationen problemlos generiert werden können.

Die ersten beiden Kapitel sind sehr allgemein und beziehen sich auf das zu realisierende Projekt und den dazugehörigen AIA. Im zweiten Kapitel werden die relevanten Normen und Richtlinien, welche bereits im AIA erwähnt wurden, übernommen und evtl. durch zusätzliche Normen und Richtlinien, welche bei der Erstellung des AIAs nicht bedacht wurden, aber vorteilhaft für das Projekt sind, ergänzt.

Das dritte Kapitel listet die im AIA aufgeführten BIM-Ziele (allgemein und projektspezifisch). Werden BIM-Ziele vom Planungskonsortium nicht bearbeitet, muss dies in diesem Kapitel erwähnt und begründet werden. Die restlichen BIM-Ziele werden mit den folgenden Kapiteln jeweils als BIM-Anwendungsfälle, in Form eines Information Delivery Manuals (zu Deutsch: Informationslieferungshandbuches) (IDM), gemäß DIN EN ISO 29481, bzw. der VDI 2552-4) ausgearbeitet.

BIM-Rollen werden im BAP definiert

Das vierte Kapitel zeigt meist ein Organigramm mit den für das Projekt relevanten Rollen und den dazugehörigen Akteuren. Hier wird meist die Auftraggeberseite der Auftragnehmerseite gegenübergestellt.


Abbildung 2: Organigramm der essenziellen BIM-Rollen in einem Big-BIM-Projekt.

Diese Abbildung zeigt ein solches Organigramm, in welchem zusätzlich die Personen namentlich den jeweiligen Rollen zugeordnet werden. Hier wird ersichtlich, dass der BIM-Gesamtkoordinator das Bindeglied darstellt und entsprechende Gesamtkoordinierungspflichten in jedem BIM-Projekt ausübt.

BIM-Anwendungsfälle werden im BAP konkretisiert

Im fünften Kapitel werden die BIM-Anwendungsfälle, welche einen gewissen Komplexitätsgrad vorweisen (bspw. Schlitz- und Durchbruchsplanung), mittels eines BPMN-Diagramms ausgearbeitet. Diese Art Prozessdiagramme werden benötigt, um u. a. die Schnittstellen zwischen den jeweiligen Akteuren zu identifizieren, damit darauf basierend der Datenaustausch abgestimmt und für das Projekt standardisiert werden kann. Diese Erkenntnisse ermöglichen es die Attribuierung der Modelle über den Projektverlauf auszuarbeiten (Stichwort: LOD).

Das sechste Kapitel zeigt die Software-Topologie, mit den einzusetzenden Softwares, den dazugehörigen Formaten und die Schnittstellen.


Abbildung 3: Beispiel einer umgesetzten Software-Topologie.

Software-Topologie ist essentieller Bestandteil des BAP

Diese Abbildung stellt beispielhaft eine Software-Topologie dar. Zu erkennen sind die einzelnen Fachplanungen, der Autorenwerkzeuge, Koordinierungstools und BIM-Werkzeuge. Zudem sind die Formate zum Austausch der Daten und Informationen aufgeführt. Jeder einzelne Punkt muss mit weiteren Informationen im BAP definiert werden, bspw. Version, Größe, etc. Damit eine solche Topologie projektspezifisch für die einzelnen Projekte vollumfänglich ausgearbeitet werden kann, muss ein sogenanntes Konformitätstestmodell bei der Ausarbeitung des BAPs erstellt werden.

Das Konformitätsmodell – der erste „Live-Test“ des BAP

Dieses Modell dient dazu, die einzelnen Schnittstellen zwischen den unterschiedlichen Programmen für den jeweiligen Zweck zu untersuchen, mit dem Ziel erfolgreich die Daten auszutauschen. Derartige Tests verlaufen meist unter dem Kredo „Learning by Doing“ und benötigen Zeit. Hier ist es von immensem Vorteil, wenn die Beteiligten bereits einige Erfahrung in der Anwendung der BIM-Methode (insbesondere Big-Open-BIM) haben. Das Konformitätstestmodell ist ein elementarer Bestandteil bei der Ausarbeitung des BAPs und somit bei der Abstimmung für die Zusammenarbeit für das jeweilige Projekt, weswegen im Folgenden ein paar Hinweise zur Ausgestaltung folgen:

  1. Das Modell muss nicht groß sein: Meist genügt ein „Schuhkarton“ über zwei Etagen.
  2. Es sollten die Familien verwendet werden, welche für das Projekt vorgesehen sind (soweit möglich).
  3. Die Architektur läuft voraus und erstellt das erste Fachmodell. Basierend darauf erstellen alle anderen Fachplaner ein eigenes Fachmodell. Dies geschieht alles in einem überschaubaren Rahmen und dient lediglich der Softwaretests und muss somit keine korrekte Planung darstellen.
  4. Es sollten alle relevanten Anwendungsfälle mit dem Konformitätstestmodell auf Realisierbarkeit untersucht werden.
  5. Alle Fachbeteiligten müssen die jeweils relevanten Fachmodelle der anderen Planungsbeteiligten problemlos importieren und auswerten können.

Sind Fachmodelle nicht verwertbar müssen meist die Exporteinstellungen, die Modellierungsmethode oder gar die Familien angepasst werden. Diese Ausarbeitung wird von den Modellierern, gemeinsam mit den Koordinatoren vorgenommen. Basierend darauf entstehen projektspezifische Modellierungsrichtlinien. Hier zeigt sich ebenfalls, welche BIM-Ziele für das Projekt realistisch sind, da der tatsächliche Aufwand und die Umsetzbarkeit ersichtlich werden.

LOD bestimmt Handhabbarkeit des Modells

Das letzte Kapitel bezieht sich insbesondere auf die Level of Development (LOD). Hier werden die dem Projekt zu Grunde liegenden LODs definiert und mit Hilfe von Modellentwicklungsmatrizen und Bauteiltyplisten individualisiert. Folgende Abbildung zeigt beispielhaft, wie die LODs für ein Projekt entwickelt werden können.


Abbildung 4: Beispielhafte Entwicklung der LOD über dem Projektverlauf [Wimmer, 2020].

LODs beschreiben wie die Modelle, bzw. deren Bauteile phasenspezifisch (bzw. levelspezifsich) geometrisch ausgebildet und mit Informationen angereichert werden. Basierend darauf wird die entsprechende Validität der in den Modellen kommunizierten Daten definiert, so dass alle Beteiligten diese korrekt interpretieren. Diese Informationen sind insbesondere zur Umsetzung der jeweiligen BIM-Ziele und somit der BIM-Anwendungsfälle relevant.

Wann wird der BAP von wem erstellt?

Der BAP wird laut BIM-Stufenplan in der Leistungsphase 0 erstellt, in der Praxis allerdings meist erstmalig in der Lph 1 oder 2.

Federführend für die Erstellung des BAPs ist der BIM-Gesamtkoordinator. Die einzelnen Fachplanungen, bzw. deren BIM-Koordinatoren arbeiten dem Gesamtkoordinator zu. Das Dokument wird gemeinschaftlich verabschiedet. Das letzte Wort hat der auftraggeberseitige BIM-Manager, der das Dokument letztendlich für das Projekt verabschieden muss.

Da jedes Projekt dynamisch ist und auch nicht alles im Vorfeld beachtet werden kann, wird der BAP phasenweise erstellt. Dementsprechend wird ggf. je Leistungsphase eine neue Version erstellt, welche die alte Version ablöst. Demzufolge kann dieses sich verändernde Dokument keine Vertragsgrundlage sein (jedoch maximal für den jeweiligen Zeitraum, dies ist aber nicht zu empfehlen).

Empfehlung für die Praxis: BAP nicht einfach kopieren

Je nachdem wieviel Erfahrung die jeweiligen Projektbeteiligten vorweisen können, werden Bausteine aus dem einen oder anderen Projekt für ein neues Projekt wiederverwendet. Dies ist im Grunde auch valide, jedoch nicht ausreichend, um die jeweiligen Ziele zu erreichen. Nur weil einmal der Weg funktioniert hat, muss dieser beim zweiten Mal nicht funktionieren. Warum?

Nehmen wir folgendes an: Wir leben in einer idealen Welt, jeder weiß was BIM ist, kein Projekt wird ohne BIM-Methode bearbeitet und es wird gar nicht bezweifelt die digitalen Tools derart einzusetzen, dass die jeweiligen Fachmodelle als Datendrehscheibe und Kommunikationsplattform verwendet werden (genau das was die Definition von BIM hervorschwört/ prophezeit). In dieser idealen Welt kennt jeder Planungspartner die Familien, die dieser einsetzt und die damit verbundenen Parameter und weiß dementsprechend was für Daten und Informationen benötigt, bzw. welche insgesamt mit dem restlichen Planungskonsortium kommuniziert werden. (Herrlich!… ach ja, diese Welt ist natürlich open!)

Nun haben wir in dieser Welt immer noch mit dem Umstand zu arbeiten, dass die Planungspartner wechseln. Mit diesem Wechsel kommen nicht nur unterschiedliche Prozesse, sondern zudem unterschiedliche technologische Rahmenbedingungen mit einher. Wenn nun die Modelle unterschiedlich erstellt werden (simples Beispiel: Eine Wand wird monolithisch oder in schichtbauweise modelliert), werden diese auch von den jeweiligen Softwares unterschiedlich interpretiert. Demzufolge müssen die eigenen Prozesse, den sich ändernden Randbedingungen angepasst werden. Letztendlich muss je Projekt der BAP weiterhin gemeinsam abgestimmt, neu ausgearbeitet und die Inhalte der alten BAPs können nur teilweise übernommen werden. (Deswegen sind die Closed-BIM-Projekte auch wesentlich einfacher handzuhaben).

Kennen wir ungefähr die Richtung, kommen wir auch an

Der BAP bleibt dynamisch, es werden immer wieder neue Familien eingesetzt, es gibt immer wieder Updates von Softwares die nicht robust sind und Fehler sind und bleiben menschlich. Wenn wir jedoch ungefähr wissen, wie wir diesen Weg beschreiten und gemeinsam dasselbe Ziel im Visier haben, steht dem Projekterfolg nichts im Wege. Der Weg ist das Ziel! Und genau diesen beschreibt der BAP.

<p>AUTOR:IN</p>Roman Fritsches-Baguhl

AUTOR:IN

Roman Fritsches-Baguhl

Roman Fritsches-Baguhl (Dipl.-Wirtsch.-Ing) ist Geschäftsführer der Averdung Ingenieure & Berater GmbH und dort seit 2009 mit der Energiewende beschäftigt. Der Energiebunker Hamburg-Wilhelmsburg geht auf seine “Kappe”, genau wie die Solarportfolios von Hamburg Energie, der BIM (Berlin) und weiterer Liegenschaftsbetreiber und Stadtwerke. Seit 2020 liegt ihm die Ressourcenwende am Herzen: Über das kreislaufgerechte Bauprojekt “Berufsschulcampus Uelzen” hat er umfangreiche Erfahrungen im kreislaufgerechten Planen gesammelt.

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