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Schnittstellen der TGA-Fachplanung

von | 9.10.2022

Schwierige Schnittstellen insbesondere zu Planungspartnern

Im Mai 2022 hat Roman Fritsches für das VDI-Wissensforum gemeinsam mit 15 TGA-Fach- und Systemplanern des Ingenieurbüro Metzger die Schnittstellen zu den vier Partnern im Planungsprozess mit roten Punkten bewertet: mehr Punkte, mehr Probleme.


Schnittstellen der TGA-Fachplanung zu Planungspartnern (Rote Punkte = Probleme)

Das Ergebnis entspricht den Erwartungen: Besonders die Schnittstellen zu den Objektplanern (Architekt:in und Freianlagenplaner:in) werden von TGA-Fach- und Systemplanern als problematisch empfunden. Danach folgen die Schnittstellen zu anderen Fachplanern und den ausführenden Firmen. Auch die Schnittstellen zur Bauherr:in sind nicht unbelastet.

Schnittstellen müssen frühzeitig geklärt werden

Eine Klärung von Schnittstellen in der Leistungsphase 2 (Vorplanung) ist meist zu spät. Hier müssen schon andere Objekt- und Fachplaner einbezogen werden. In chronologischer Reihenfolge des Bauprojektes müssen zunächst Schnittstellen zum Bauherrn, dann zu den anderen Planern und schließlich in Richtung Ausführungsplanung und Ausschreibung der TGA definiert werden.

Schnittstellen zum Bauherrn im Ingenieurvertrag definieren

Basierend auf der HOAI und den korrespondierenden Kommentaren sowie den Empfehlungen der AHO wird das Leistungsbild des Bauherrn im Leistungsbild Technische Ausrüstung definiert. Dieses kann Eingang in künftige Honorarangebote und damit Ingenieurverträge finden.

Interessant sind insbesondere die Aufgaben der gesamtübergreifenden Koordination, insbesondere zwischen den Objektplanern Gebäude und Freianlagen. Hier geraten insbesondere TGA-Fachplaner gerne “unter die Räder” – die TGA muss nämlich auch vom Freianlagenplaner koordiniert und integriert werden. Das passiert selten koordiniert mit der Objektplanung Gebäude.

Ebenfalls selten ist ein gewerkeübergreifendes Brandschutzkonzept bis in die Ausführungsplanung beauftragt. Dabei ist der Brandschutzplanende insbesondere in der Detailplanung gefragt – und laut AHO dafür entgegen der Verkehrssitte auch verantwortlich.


Auszug Auftraggeber-Leistungsbild (Quelle: PBP, Link)

Grundlagenermittlung für Beratung zu Schnittstellen nutzen

In der Leistungsphase 1 (Grundlagenermittlung) fordert die HOAI im Leistungsbild Technische Ausrüstung die Ermittlung der Aufgabenstellung und des Leistungsbedarfes durch den Fachplaner. Die Grundleistung “Ermittlung des Leistungsbedarfes” eignet sich hervorragend, um übersichtlich die Schnittstellen zu den anderen Planungsbeteiligten aufzuzeigen. Ein Beispiel für eine mögliche Visualisierung wird folgend dargestellt.


Beispiel Schnittstellen / Leistungsbedarf in Lph 2 (Quelle: Averdung Ingenieure & Berater GmbH)

Schnittstellen zu Objekt- und Fachplanern bis zur Genehmigungsplanung

Bereits in der Leistungsphase 2 (Vorplanung) entstehen oft Missverständnisse zwischen Objekt- und Fachplanenden: Wer liefert was? Insbesondere die Gebäudeenergieberatung (GEG), die Fachplanenden der Tragwerksplanung und des Brandschutzes liefern wichtige Eingangsgrößen für eine gute TGA-Fachplanung.

In den Leistungsphase 3 und 4 (Entwurf und Genehmigungsplanung) entstehen oft Missverständnisse über die Integrationsleistungen der Fachplanung TGA gegenüber der Objektplanung und der Tragwerksplanung. Das Ergebnis sind Terminverzüge und Qualitätseinbußen durch schlecht integrierte TGA.

Wichtig ist aus Sicht des Verfassers die klare Benennung der Vorleistungen für die TGA-Fachplanenden:

  • Der Energieberatende muss frühzeitig einen Bauteilkatalog für die Heizlastberechnung erstellen
  • Der Brandschutzplanende muss frühzeitig die Notwendigkeit von technischen Brandschutzsystemen benennen
  • Der Tragwerksplanende muss spätestens zu Beginn der Leistungsphase 3 Tabuzonen für die Durchbruchsplanung definieren, oder besser noch Regeldurchbrüche für die TGA vorgeben
  • Der Schallschutzplanende muss zu Beginn der Leistungsphase 3 Anforderungen an Schächte, Abhangdecken Technikräume und Dachaufbauten definieren
  • Der Objektplanende der Freiflächen muss mögliche Trassen in den Außenanlagen definieren bzw. für die TGA ermöglichen
  • Der Objektplanende des Gebäudes (Architekt) muss den “Design Freeze” für den Grundriss benennen, diesen fristgerecht zur Integration der TGA vorlegen und zum Abschluss der Entwurfs- und Ausführungsplanung ein integriertes Gebäudemodell inkl. koordinierter TGA übergeben

Schnittstellen zur Ausführungsplanung und Vergabe

Die AHO bzw. PBP bietet eine gute Schnittstellenliste, die für die Leistungsphase 5 (Ausführungsplanung) typische Schnittstellen der TGA-Fachplanung aufzeigt und eine genaue Zuordnung der Verantwortlichkeiten vornimmt. Es wird zwischen Koordination, Mitwirkung und Planung unterschieden.

Die „neutrale“ Liste der AHO kann in der Ausführungsplanung auch ohne vorherige vertragliche Vereinbarung genutzt werden.


Auszug Schnittstellenliste TGA für Lph 5 (Quelle: Werner Schürmann, AHO, über PBP)

Der Schwerpunkt auf die Planung des Brandschutzes wird den steigenden Anforderungen in diesem Bereich gerecht. Die Fachplanung der Technischen Ausrüstung kann und muss hier mehr Verantwortung bei dem Fachplaner des Brandschutzes belassen. Ein Auszug aus dem AHO Heft Nr. 17 liefert die passenden Grundleistungen:

  • Beraten bei Anfragen der Objekt- und Fachplaner
  • Erstellen einer Brandfallsteuertabelle (als Grundlage der Brandfallsteuermatrix des TGA-Fachplanenden)
  • Mitwirken an der Koordination der Fachplanung an brandschutzrelevanten Stellen
  • Mitwirken bei der Feststellung der Eignung vorgelegter Verwendbarkeitsnachweise

Interessant ist weiterhin: sollte der Brandschutzplaner für die Ausführungsplanung nicht beauftragt sein, so übernimmt der Objektplaner laut AHO diese Grundleistungen.


Auszug AHO Heft Nr. 17 (Quelle: AHO)

Wer klärt denn jetzt die Schnittstellen?

Klar ist: die Berufung auf den Objektplanenden (Architekten) bezüglich der Schnittstellen ist für eine koordinierte, integrierte TGA-Fachplanung nicht ausreichend. TGA-Fachplaner tun gut daran, bereits im Ingenieurvertrag Schnittstellen zum Bauherren (das Bauherren-Leistungsbild) zu klären.

Die Grundleistung “Ermittlung des Leistungsbedarfes” in der Lph 1 eignet sich weiterhin, um den Bedarf an Vorleistungen von Objekt- und Fachplanenden sowie Beratenden zu klären.

In der Ausführungsplanung und Vergabe können neutrale Vorgaben der AHO genutzt werden, die nicht gesondert vertraglich vereinbart werden müssen. Insbesondere das Leistungsbild Brandschutz sollte von TGA-Fachplanern deutlich mehr in Anspruch genommen werden.

<p>AUTOR:IN</p>Roman Fritsches-Baguhl

AUTOR:IN

Roman Fritsches-Baguhl

Roman Fritsches-Baguhl (Dipl.-Wirtsch.-Ing) ist Geschäftsführer der Averdung Ingenieure & Berater GmbH und dort seit 2009 mit der Energiewende beschäftigt. Der Energiebunker Hamburg-Wilhelmsburg geht auf seine “Kappe”, genau wie die Solarportfolios von Hamburg Energie, der BIM (Berlin) und weiterer Liegenschaftsbetreiber und Stadtwerke. Seit 2020 liegt ihm die Ressourcenwende am Herzen: Über das kreislaufgerechte Bauprojekt “Berufsschulcampus Uelzen” hat er umfangreiche Erfahrungen im kreislaufgerechten Planen gesammelt.

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