von Miguel Ebbers | 11.11.2025
Während innovative Technologien die Baubranche verändern, hinken die Exit-Möglichkeiten für Startups dieser Entwicklung hinterher. Werkzeuge zur Digitalisierung der Baustelle, Automatisierung von Ausschreibungen und Integration von Projektinformationen krempeln die Arbeitsweise in der Bauwirtschaft um. Doch wenn es um Liquiditätsereignisse geht, verharren viele PropTech´s/ ConTech´s in einer Warteschleife. Oder sind euch große Exits in Europa bekannt?
Dies wirft die Frage auf: Warum übertrifft die Innovationsgeschwindigkeit in der Baubranche (und die ist im Branchenvergleich sicherlich nicht oberstes Regal), bei weitem die Exit-Aktivität?
Die Innovationsmaschine läuft
Im letzten Jahrzehnt hat sich die Technologie im Bausektor schneller entwickelt als je zuvor in der Geschichte dieser Branche (ok, vllt nicht schwer 😉). Baustellen werden heute durch Drohnen vermessen, die BIM-Methodik wird endlich in die Wirklichkeit integriert und KI hilft bei der Kalkulation, Protokollen (Alago), Bauforttschritt (Buildots), etc.. Alles schon auf Bau-Rockstars gesehen.
Die Investoren/VC sind auch da. Die globalen Investitionen in ConTech Startups sind von weniger als 3 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf über 12 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 gestiegen, begleitet von hohen Bewertungen.
Die Innovation selbst also nicht das Problem. Auch Venture Capital ist vorhanden.
Die Exit-Lücke
Trotz des Wachstums bleibt die Exit-Aktivität mindestens „unausgeglichen“. Die Deal-Größen und Bewertungen nach Kapitalerhöhungen erreichen nicht das Niveau anderer Branchen. Die Marktführer wie Autodesk, Trimble, Procore und Hexagon haben zwar eine Reihe von Übernahmen getätigt, um End-to-End-Lösungen für den gesamten Projektlebenszyklus anbieten zu können, aber spektakuläre Übernahmen sind die Ausnahme.
Drei strukturelle Faktoren als Erklärung?
1. Lange Verkaufszyklen: Die Einführung von Lösungen im Baugewerbe verläuft langsam. Planer, Generalunternehmer/ Ausführende, Subunternehmer und Bauherren von der Einführung neuer Technologien über mehrere Projekte hinweg zu überzeugen, dauert oft Jahre.
2. Hardware-Abhängigkeiten: Im Gegensatz zu reinen SaaS-Modellen sind ConTech Lösungen tlw. auf Sensoren, Scanner oder andere physische Komponenten angewiesen, was die Skalierung und Bewertung komplexer macht.
3. Zersplitterte Kundschaft: Die Baubranche bleibt stark regional geprägt mit begrenzter Standardisierung, wie Daten und Arbeitsabläufe über Projekte und Gewerke hinweg geteilt werden (aus meiner Sicht der gravierendste Faktor!).
Das Ergebnis ist ein Markt, in dem die Innovation der Integration vorauseilt und vielversprechende PropTechs/ ConTechs auf den Grad an Skalierung warten, der große Käufer oder Private-Equity-Roll-ups anzieht oder sogar an ferne Börsengänge glauben lässt.
Konsolidierung steht bevor – aber selektiv
Führende Strategen (VC´s, Marktführer) tätigen aktiv kleinere Übernahmen (sog. „Tuck-in Acquisitions“) verfolgen, um ihre Ökosysteme zu stärken.
Die Konsolidierung vollzieht sich entlang dreier klarer Linien:
1. Integration: Die Anwendungen sollten starke/ flexible APIs, Integrationen oder Datenstandards mitbringen, um in „größere“ Ökosysteme eingebunden zu werden.
2. Nachhaltigkeit: ESG-Vorgaben treiben Übernahmen voran.
3. KI & Analytik: Lösungen, die Daten in handlungsrelevante Erkenntnisse umwandeln, erzielen gute Bewertungen und ermöglichen schnellere Exits.
Zum Ende, der Blick nach vorn 😉
Der Bausektor macht etwa 13 % des globalen BIP aus, gehört aber nach wie vor zu den am wenigsten digitalisierten Branchen. Diese Lücke stellt eine enorme Chance dar. Auch um hier das nächste Unicorn/ Decacorn nach Procore Technologies zu bauen (das einzig mir Bekannte!)
Glaubt ihr wir hören demnächst von einem Unicorn-Exit in der Baubranche?





