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Die Digitalisierung im Bauwesen fordert ein Weiterdenken in der Ausbildung – Wie WorldSkills hier unterstützt!

21.11.2022
von Dill Khan

Die ersten Konzepte des Building Information Modeling (BIM) wurden in den 1970ern veröffentlicht. Als eine modellbasierte Arbeitsmethode, die sich die Innovationen des digitalen Zeitalters zunutze macht. In den 90er Jahren hat das Computer Aided Design (CAD) die technischen Handzeichnungen mit Tuschestift dann in kürzester Zeit ersetzt.

Heute führen die künstliche Intelligenz, das generative Design, das parametrische Entwerfen und das digitale Konstruieren zu grundlegenden Veränderungen der Planungsprozesse und Planungsschnittstellen. Prozessketten vom Entwurf über die Ausführung bis zur Nutzung oder gar dem Rückbau eines Gebäudes ändern sich. Die digitale Transformation des Bauwesens beeinflusst aber auch die Rollen von Bauherr*innen, Planer*innen, Architekt*innen, Ingenieur*innen, Statiker*innen und Gutachter*innen sowie die Gebäudeautomation und technische Gebäudeausstattung (z. B. Heizung, Kältetechnik, Sanitär, Lüftung, Licht) an sich.

Die Berufsschulen, die Hochschulen und die Universitäten stehen in der Pflicht, auf diese Veränderungen vorausschauend durch das Entwickeln neuer Denkweisen in der beruflichen und akademischen Bildung zu antworten, um die Konkurrenzfähigkeit der Jugend zu gewährleisten. Hierfür müssen die junge und die alte Generation der Lehrenden Hand in Hand arbeiten. Wir müssen reden, ausprobieren und uns vorurteilsfrei den digitalen Themen annehmen.

Was ist eigentlich WorldSkills?

WorldSkills-Wettbewerbe vergleichen viele mit den Olympischen Spielen. Nur eben bei den Berufen. Ein einzigartiges und unvergessliches Erlebnis für alle, die schon einmal daran teilgenommen haben:

„WorldSkills erweitern den Horizont und deine Fähigkeiten. Allein durch die internationalen Trainings habe ich Kreative aus verschiedensten Ländern kennengelernt und meine Skills um ein vielfaches verbessert. Man lernt noch genauer, intuitiver und schneller an umfangreiche Projekte heranzugehen und die eigene Arbeit an internationalen Standards zu messen. Ich kann nur jedem empfehlen die einmalige Chance zu nutzen an den World Skills teilzunehmen.“ Jonas Turtschan, WorldSkills Teilnehmer Abu Dhabi 2017.

„Für Auszubildende und junge Fachkräfte ist die Teilnahme an Wettbewerben im nationalen und internationalen Umfeld eine hervorragende Gelegenheit, das eigene Können unter Beweis zu stellen. Eine Auszeichnung auf diesem Niveau ist ein ideales Sprungbrett für alle, die die Karriereleiter hinaufwollen. Und natürlich spricht sie auch für das Unternehmen, das so hervorragende Kräfte beschäftigt.“ Theo Zintel, Bildungsreferent beim Bundesverband Druck und Medien

WorldSkills Germany – das ist die Förderinitiative für nationale und internationale Berufswettbewerbe. Die Inititiative vereint Engagement und Ideen von derzeit über 80 Mitgliedern, Partnern, Förderern, Unternehmen, Verbänden und Privatpersonen. Der 2006 gegründete Verein WorldSkills Germany ist die national und international anerkannte Mitgliedsorganisation von WorldSkills International (www.worldskills.org) und WorldSkills Europe.

Die WorldSkills sind das weltweit größte Ereignis der beruflichen Bildung und finden alle zwei Jahre statt. 2019 fanden sie zum ersten Mal in Russland (Kasan) statt. Mehr als 1.350 junge Menschen aus über 60 Ländern kämpften in 56 Berufsdisziplinen um die Medaillen. Deutschland war mit 39 Wettbewerbsteilnehmern in 34 Disziplinen vertreten.

© Dill Khan, WorldSkills

Wettbewerb digital construction

Unser Anliegen ist es, die Teilnehmenden auf die Herausforderung der Digitalisierung im Bauwesen, auf den verantwortungsvollen Umgang mit der digitalen Transformation und auf die sich verändernden Rollen der Akteur*innen am Bau vorzubereiten. Der Begriff Corporate Social Responsibility (CSR) prägt seit Jahren die Wirtschaft. Deshalb diskutieren wir auch soziale, gesellschaftliche und ökologische Themen in Bezug auf die Digitalisierung im Bauwesen, um den Horizont der Teilnehmenden über die Anwendung von Programmen hinaus zu erweitern. Dabei wurde auch die Weiterentwicklung von CSR zu Corparate Digital Responsibility (CDR) verdeutlicht, um den Teilnehmenden ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass eine stetige Weiterbildung aufgrund sich schnell verändernder Berufsbilder, der verantwortungsvolle Umgang mit KI und der Klimawandel samt Reduktion des CO2-Ausstoßes notwendig sind. Die Bauindustrie gilt als ein Motor der deutschen Volkswirtschaft und damit das so bleibt, muss sich auch die junge Generation all den genannten Herausforderungen stellen.

© Dill Khan, WorldSkills

Im Wettbewerb „Digital Construction“ werden Tools verwendet, um digitale Assets für Architektur, Ingenieurwesen und Bauwesen (AEC) über den gesamten Lebenszyklus des Projekts zu erstellen, zu koordinieren und zu verwalten. Dieser in der Normreihe EN ISO 19650 definierte Prozess ermöglicht die Zusammenarbeit zwischen den AEC-Disziplinen mithilfe des Building Information Modeling (BIM). Bei der Erarbeitung des geforderten Modells müssen die Teilnehmer BIM-Modelle bis zur 5D-Anwendung erstellen, die BIM-Standards der EN ISO 19650-1 und 19650-2 vollständig verstehen und ihr Wissen und ihre Fähigkeiten in verschiedenen Situationen praktisch anwenden.

Die Aufgabenstellung im Detail

Der Berufswettbewerb wird in Form von Teilmodellierungen umgesetzt. Für jede Teilmodellierung erhalten die Teilnehmer eine eigene, aufbauende Aufgabenstellung im Sinne eines AIA bzw. eines BAP, welche auch Informationen über die Bewertungskriterien und deren Gewichtung enthält.

Außerdem gibt es zu jedem Projekt eine klare Zeitvorgabe. Die Zeitvorgabe wird so kalkuliert sein, dass sehr schnell und gleichzeitig konzentriert gearbeitet werden muss. Dies dient vor allem auch dazu, Zeitdruck aufzubauen, wie er bei der Berufsweltmeisterschaft, den WorldSkills, üblich ist.

Jede Aufgabenstellung zur Teilmodellierung wird vor Arbeitsbeginn gemeinsam gründlich erörtert, sodass etwaige Unklarheiten möglichst im Vorfeld ausgeräumt werden.

Projekt #1 – Schwerpunkt Modellierung der Vorgaben und Einrichten der CDE

In Projekt 1 werden die Teilnehmer auf Grundlage der Ihnen bereitgestellten Anforderungen aus den Wettbewerbs-AIA ein Projekt auf der CDE anlegen. Anhand eines Templates, welches sich an den DACH-Vorlagen orientiert, werden Sie ein Revit-Modell mit den geforderten Bearbeitungsbereichen und den geforderten Mindestinformationen einrichten.

Für die Modellierung werden Ihnen Zeichnungen und Pläne eines Mustergebäudes mit mind. 2 Geschossen vorgelegt. Ausgehend von diesen Unterlagen werden Sie ein Gebäudemodell mit den typischen Modellelementen aus der Bauteilgruppe „Architektur“ erstellen und mit der geforderten Parametrik ausstatten. Teilaufgaben werden die Anpassung/Änderung von Bauelementen (Familien) und die korrekte Planausgabe mit Bemaßung betreffen.

© Dill Khan, WorldSkills

Projekt #2 – Schwerpunkt Kollaboration und Koordination

Der Schwerpunkt von Projekt 2 liegt auf der Kollaboration und Koordination innerhalb der Modellumgebung. Hierfür werden den Teilnehmern weitere Fachmodelle (TGA-Modell, etc.) zur Verfügung gestellt, welche Sie zu einem Koordinationsmodell in Navisworks Manage zusammenfügen und unterschiedliche Hard-Clash-Detections durchführen.

Die Ergebnisse der Kollisionsprüfungen müssen korrekt auf der CDE dokumentiert und Aufgaben zur Problembehebung an (fiktive) zuständige Fachplaner verteilt werden. Außerdem werden die Teilnehmer ausgehend von den Ergebnissen der Clash-Detections Anpassungen an Ihrem Modell vornehmen. Hierfür werden Sie die weiteren Fachmodelle korrekt in Ihrer Modellumgebung referenzieren und die entsprechenden Modellanpassungen vornehmen.

Projekt #3 – Schwerpunkt Auswertung von Modelldaten, Visualisierung und modellbasiertes Mängelmanagement

Beim dritten Projekt des Wettbewerbs werden die Teilnehmer sich mit der Auswertung und Anwendung Ihres Modells beschäftigen. In der ersten von drei Teilaufgaben dieses Tages werden sie verschiedene Auswertungen hinsichtlich 4D- und 5D-Simulationen durchführen. Für die zweite Teilaufgabe erstellen die Teilnehmer eine Visualisierung Ihres Modells mithilfe von Enscape für Marketingzwecke. Ggf. müssen Sie hierfür Materialien bearbeiten und zuweisen, Lichtverhältnisse und Hintergründe berücksichtigen und zweckdienliche Komponenten aus der Enscape-Bibliothek platzieren.

Bei der dritten und letzten Teilaufgabe werden Sie mithilfe von Autodesk Build eine Mängeldokumentation auf der Baustelle simulieren. Hierfür werden Ihnen Fotos von Baumängeln bereitgestellt, welche Sie im Modell lagerichtig verlinken. Die abgebildeten Mängel müssen Sie beschreiben und den zuständigen (fiktiven) Unternehmen zur Behebung zuweisen.

Wie ihr seht, eine wirklich umfangreiche Aufgabe, die sich die Teilnehmer (Auszubildende) stellen, und mit Bravour meistern! Verfolgt die WorldSkills über https://worldskills.org/

Wir berichten demnächst über die Nationalausscheidung in Salzburg und in Frankreich sowie Anfang Dezember über einen Empfang von WorldSkills in Berlin.
Bleibt dran.

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